Grußwort
Grußwort
die
Humboldt-Universität hat einst Maßstäbe gesetzt - viele Universitäten
auf der Welt sind Humboldtsche Universitäten, weil die Ideen der
Gründerväter - neben Wilhelm von Humboldt sind vor allem der Theologe
Schleiermacher, aber auch der Philosoph Fichte zu nennen - überzeugten.
Es war tatsächlich mutig, angesichts der Spezialschulen Napoleons an
der Einheit der Wissenschaft in Zeiten höchster Ausdifferenzierung
festzuhalten und die wechselseitige Bezogenheit von Lehre und Forschung
nicht aufzugeben, es war kühn, mit dem Ideal einer Gemeinschaft von
Lehrenden und Lernenden die Wirklichkeit der barocken deutschen
Universität radikal aufzugeben. Vor hundert Jahren, 1910, gelang es,
die Universitätsgründung mitten in der politischen Katastrophe Preußens
solenn zu feiern und bis heute verwendete Formeln (beispielsweise
"Einheit von Forschung und Lehre") zu prägen; die
Friedrich-Wilhelms-Universität konnte sich im Glanz ihrer
Nobelpreisträger sonnen. Zwischen damals und heute liegt der Absturz
der Universität in Krieg und Diktatur, Mitwirkung an den
verbrecherischen Aktivitäten der Nationalsozialisten, die enttäuschten
Hoffnungen der unmittelbaren Nachkriegsjahre und ein rasanter Neuaufbau
nach 1990, der die Universität wieder in die Gruppe der deutschen
Spitzenuniversitäten zurückgeführt hat.
2009 und 2010 wollen wir feiern - nicht nur eine ruhmreiche, aber
auch problematische Vergangenheit. Nein, im Jubiläumsjahr soll deutlich
werden, daß wir "das moderne Original" sind, die Universität, in der
nicht nur die Gründungsideale der Humboldtschen Universität
schöpferisch ins einundzwanzigste Jahrhundert umgesetzt werden und
beispielsweise in den Lebenswissenschaften ein Stück Einheit von
Geistes- und Naturwissenschaften in die nach Fächern separierte
Universität zurückkommt. Wir wollen erlebbar machen, daß an der
Humboldt-Universität eine besondere Gemeinschaft von Lehrenden und
Studierenden herrscht und von uns noch viele spannende Ideen zur Reform
von Lehre wie Forschung zu erwarten sind.
Natürlich gilt ganz trivial: Eine Feier muß gefeiert werden. Die
vielen spannenden Veranstaltungen warten auf Besucherinnen und
Besucher. Und so möchte ich alle, die Angehörigen der Universität, die
Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt, deren alma mater sie ist, aber
auch alle Gäste Berlins sehr herzlich einladen: Kommen Sie und sehen
Sie! Und bis es soweit ist, freuen wir, die, die das Jubiläum
vorbereiten, aber natürlich auch ich persönlich, uns über alle
Anregungen und weitere Mitstreiter und Mitstreiterinnen: Seien Sie mit
dabei, wenn wir das Moderne Original aller Welt präsentieren.
Ihr Christoph Markschies